“Wir müssen uns darauf einigen, nicht einer Meinung zu sein” – kommuniziert pure Arroganz
road under cloudy sky

Wenn Kommunikation immer auch Beziehung ist und wir aufhören zu kommunizieren und um eine Lösung zu ringen, um das Verständnis, um den Respekt, um einen gemeinsamen Weg, dann beenden wir jede Verbindung.

Berufsbedingt beschäftige ich mich seit 25 Jahren intensiv mit Kommunikation. Meine Beratungsaufgaben in unterschiedlichsten beruflichen Kontexten mit Menschen, die in verschiedenen Lebens-, Arbeits- und Alterssituationen waren, forderten mich auf, meine Kommunikation anzupassen, sie zu hinterfragen, mich gedanklich auf den Stuhl des anderen zu setzen, um zu verstehen, um was es dem anderen geht.

Wenn es zu Situationen kam, wo zum Beispiel eine gesetzliche Bestimmung nicht überstimmte mit den Vorstellungen und Plänen eines zu Beratenden, kam es durchaus zu schwierigen Gesprächssituationen und dieses Spannungsfeld war kommunikativ nicht immer einfach zu bewältigen. Und regelmäßig gab es und wird es Situationen geben, an denen man in Gesprächssituationen nicht weiterkommt. Die Phrase „wir müssen uns darauf einigen, nicht einer Meinung zu sein“ beendet jede kommunikative Auseinandersetzung schnell – die vertrauensvolle Zusammenarbeit häufig auch.

Sie macht deutlich, dass unsere Argumente (wir sehen das oft bei demjenigen, der diese Phrase wählt), nicht überzeugen können oder wir keine (mehr) haben. Dahinter kann pure Arroganz stecken, doch es wäre zu einfach, dies immer zu unterstellen. Die Gründe sind sicher vielfältig: Unsicherheit, man merkt in der Nachbetrachtung, dass die Entscheidung auch anders hätte ausfallen können/müssen, man hat keinerlei Anhaltspunkte, dass diese Entscheidung nicht richtig war oder man selbst ist mit diesem Thema fertig. Gründe, die vielleicht aus eigener Sicht nachvollziehbar sind und man kann so eine kommunikative Wand bauen. Beendet man die Zusammenarbeit, den Umgang miteinander und jede kommunikative Ebene, eignet sich dies sehr gut. Aus meiner Sicht verlassen wir mit dieser Phrase die gemeinsame Ebene und stellen uns über unseren Gesprächspartner, weil wir so das letzte Wort in dieser Angelegenheit denken zu haben.

Im Verkaufstraining lernt man: verliert man 1 Kunden, gehen 10 weitere mit ihm, wenn das Produkt überzeugt, ist es nicht ganz so schlimm. Die Folge ist: Hat man kein Produkt, sondern eine Dienstleistung, die fachlich nicht überzeugt bzw. wo es verschiedene starke Meinungen zu gibt, kann man diese mit positiver, zugewandter Kommunikation unterstützen, doch in dem Moment, wo auch diese versagt, ist das Bild zu stimmig, um zumindest noch gut zu scheinen.

Um eine Diskussion positiv zu beenden, wenn die Gesprächspartner nicht zu einer einheitlichen Meinung gekommen sind oder kommen können, schlage ich vor, wir fragen, ob sich beide darauf einigen können, die jeweils andere Meinung zu akzeptieren oder ob man zu einem späteren Zeitpunkt nochmal darauf zurückkommen kann. Somit ist die Wand nicht gebaut, die Kommunikation nicht gestört und die Beziehung kann weiter gehen.

Nur so ein Gedanke…